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Hoch im Kurs steht bei den Schülerinnen und Schülern am Oberstufenzentrum der Ethikunterricht. Mit Freude besuchen sie diesen, um Themen wie (Kinder)Menschenrechte, soziale Umgangsformen oder Weltreligionen ausführlich zu behandeln. Vor den Herbstferien besuchte Maya Conoci von der Stiftung „Das Tier+Wir“ Oberriet.

Die Schüler der ersten Realklassen, welche sich sowohl aus Ethik- wie auch Religionsschülern zusammensetzten, staunten nicht schlecht, als ein unbekanntes Gesicht – in Form von Maya Conoci – sowie ein Hund das Klassenzimmer von Herrn Koeck betraten. Was würde sie in den folgenden vier Lektionen erwarten? Was ist Tierethik überhaupt? Step by Step erarbeitete die erfahrene Tierethiklehrerin aus Langrickenbach und Geschäftsführerin der Stiftung für Ethik im Unterricht dieses für viele ungewöhnliche Thema und neue Terrain.

„Das meiste Tierleid entsteht nicht, weil die Menschen böse sind oder Freude daran haben, Tiere zu quälen oder sie leiden zu sehen – das meiste Tierleid entsteht aus wirtschaftlichen Gründen, aus Gewohnheit und weil wir nicht hinschauen, nicht kritisch hinterfragen, zu wenig darüber wissen, einfach mit dem Strom schwimmen in unseren Konsumgewohnheiten“ ist sich Conoci sicher. „Wir mögen keine Veränderungen. Veränderungen sind unbequem.“ Ziel des Tierethik-Unterrichts ist, durch altersgerechte, wahrheitsgetreue, jedoch stets undogmatische Informationen über die Situation der Tiere in unserer Gesellschaft die Herzen der Kinder und Jugendlichen zu berühren und ihr Mitgefühl zu wecken. Durch ihre Betroffenheit werden sie motiviert, ihr eigenes Verhalten und Denken zu verändern und ihr Umfeld über diese Fakten zu informieren. Ihre natürliche Bereitschaft, Tiere als leidensfähige und beseelte Mitgeschöpfe wahrzunehmen und zu lieben, wird gepflegt und unterstützt. „Die Erkenntnis, dass das Tier sich selbst gehört und nicht den menschlichen Gelüsten und Begierden, ändert ihren Blickwinkel. Ein waches, ethisches Bewusstsein ist nicht zuletzt auch eine Gewaltprävention an Schulen“ so die Expertin, welche die Schüler aus Oberriet liebevoll ins Thema einführte und dabei durch ihren handzahmen Hund Unterstützung erfuhr. Gearbeitet wurde in kleinen Gruppen wie auch im Plenum. Eigene Gewohnheiten wurden reflektiert, es wurde leidenschaftlich diskutiert und argumentiert, Kurzdokus über Hühner in Legebatterien, eine Schweizer Nerzfarm oder die Elefanten des Zirkus Knie und ihr Schicksal angeschaut. Anschließend gab es eine Vielzahl von Arbeitsaufträgen und Reflexionen.

Maya Conoci  20160912_155017

„Ethik im Schulunterricht soll auch ein Appell an die Erwachsenen sein, den Kindern und Jugendlichen eine freie Entscheidungsmöglichkeit zuzugestehen, das heisst, sie nicht zu zwingen, in alten Mustern weiterzufahren oder Tiere als Objekte zu sehen, die man nach Belieben ausnutzen darf“ so Maya Conoci, welche gerne mit dem Tierschutzhandbuch „Wusstest du, dass…“ arbeitet, in welcher auf kindgerechte Art die Grundbedürfnisse und Verhaltensweisen der unterschiedlichsten Tierarten den teils unbedachten Handlungen der Menschen gegenübergestellt werden. Besonders die aufrichtige und offene Kommunikation zwischen den einzelnen Schülern mit ihren Ethik- und Religionslehrern ist im Rahmen dieses Projektes positiv hervorzuheben. Es wurde eine Vielzahl an Fragen aufgeworfen, nach passenden Antworten gesucht, alternative Lebensmuster erläutert, wie etwa ein vegetarischer oder gar veganer Lebensstil und auch über den ökologischen Fussabdruck philosophiert. Alles in allem waren die Tierethiklektionen für alle Beteiligten äusserst bereichernd.

Gruppenarbeit